Grußwort

Jeden Morgen ist der alte Mann um fünf Uhr aufgestanden, damit er genug Zeit für die anderen hatte. Die Arbeit begann um acht. Und auch als er längst in Rente war, blieb er dabei. Bevor alles andere begann, betete er: Für die Familie, die Freunde, für Menschen aus der Gemeinde, für solche, die ihm nahe standen, für solche, die ihm fern waren. Für die Stadt und das Land, für die Welt. Zeit genommen hat er sich und Ruhe. Zeit und Ruhe für sich und die Nächsten vor Gott.

Beten für andere: da sieht man von sich ab und ist doch ganz konzentriert. Ich verzettele mich nicht in Äußerlichkeiten, und ich muss nicht die Welt verbessern. Ich nehme die Dinge in die Hand und bringe die gefüllten Hände einfach vor Gott.

Den anderen Menschen sehe ich vor mir in seinem Menschsein, in dem, was ihm auf der Seele liegt, in dem, was ihm fehlt fürs Leben. In diesem Moment geht es nicht um mich, nicht einmal um das, was ich tun könnte. Doch kann ich ganz unbescheiden alles wollen, um alles bitten: Um die Kraft und die Liebe und die Hoffnung und den Mut; um Geduld und um Tatkraft, um Ruhe und Vertrauen – und um Brot und Frieden, Vergebung und Gerechtigkeit. Um alles. Und weil ich Gott bitte für andere, muss ich nicht einmal wissen, worum ich bitten soll. Es genügt völlig: Ich bitte für ihn, für sie.

 

Aus dem Brief des Paulus an die Epheser im 

3. Kapitel: 

Darum knie ich nieder vor Gott, dem Vater, und bete ihn an, ihn, dem alle Geschöpfe im Himmel und auf der Erde ihr Leben verdanken und den sie als Vater zum Vorbild haben. 

Ich bitte Gott, euch aus seinem unerschöpflichen Reichtum Kraft zu schenken, damit ihr durch seinen Geist innerlich stark werdet. Mein Gebet ist, dass Christus durch den Glauben in euch lebt. In seiner Liebe sollt ihr fest verwurzelt sein; auf sie sollt ihr bauen. Denn nur so könnt ihr mit allen anderen Christen das ganze Ausmaß seiner Liebe erfahren. 

 

Ja, ich bete, dass ihr diese Liebe immer tiefer versteht, die wir doch mit unserem Verstand niemals ganz fassen können. Dann werdet ihr auch immer mehr mit dem ganzen Reichtum des Lebens erfüllt sein, der bei Gott zu finden ist. 

Gott aber kann viel mehr tun, als wir jemals von ihm erbitten oder uns auch nur vorstellen können. So groß ist seine Kraft, die in uns wirkt. Deshalb wollen wir ihn mit der ganzen Gemeinde durch Jesus Christus ewig und für alle Zeiten loben und preisen. Amen. 

 

Sogar in die Knie geht der Apostel Paulus für die anderen. Mitten in seinem Brief an die Gemeinde in Ephesus steht ein Fürbittengebet. Im Zentrum des Briefes werden wir Leserinnen und Hörer nicht ermahnt zu festerem Glauben, nicht belehrt über die Liebe, nicht aufgefordert zum Tun. Im Gegenteil, wir sind sogar eher passiv: Uns möge etwas geschehen, durch die Bitte, von Gott. Kraft für unseren inneren Menschen wird erbeten. Vertrauen, als würde Christus selbst in unserem Herzen wohnen. Festen Grund und tiefe Wurzeln – direkt in der Liebe. Was daraus entsteht, was das dann für den Alltag und das individuelle Leben bedeutet, auch das vertraut der Beter einfach Gott an. Paulus macht es vor: In der Fürbitte sehe ich von mir ab, ich ermahne den anderen nicht, ich muss auch nicht wissen, was er tun sollte und was genau sie braucht. Ich stelle den anderen Menschen und mich in einen weiteren Horizont als den, den ich selbst sehe. Ich stelle uns beide vor Gott. Dann kann das passieren: Keine Belehrung, keine Ermahnung oder gar Zurechtweisung. Sondern: Aus der Liebe wird der Boden unter meinen Füßen gefestigt. Mein Vertrauen wächst, ich werde gewiss.

 

Einen behüteten Sommer mit ausreichend Zeit zum Beten wünscht Ihnen

 

Ihre Pastorin Peggy Rotter

 


                  

Jahreslosung 2019:

Suche Frieden und jage ihm nach!

Psalm 34,15