Grußwort

Liebe Leserinnen und Leser!


In der medizinischen Fachwelt ist dieses dicke Buch so verbreitet wie die Bibel in der Kirche. Der „Pschyrembel“ ist das Lexikon aller bis heute bekannten Krankheiten. Wenn man sich etwas eingehender damit beschäftigt, kann man nur erschrecken, was es alles gibt. Wer es leicht nehmen möchte, darf bei der Lektüre auch aufseufzen und sagen: Schau mal, was ich alles nicht habe!
Aber im Ernst: Zwischen den Buchdeckeln wohnt mehr Schrecken als Trost. Und ein gläubiger Mensch mag sich fragen: Warum nur gibt es so viele und so schreckliche Krankheiten? Muss das denn sein? Warum ist dieser Pschyrembel fast dicker als meine Bibel? Wenn der liebe Gott schon unsere Zeit befristet, die wir hier auf Erden sein dürfen, könnte er uns da nicht wenigstens solange in Ruhe leben lassen ohne Krebs, ohne Multiple Sklerose, ohne Alzheimer, ohne Viruspandemien?
Kritische Geister kommen hier ins Fragen. Erzürnt, enttäuscht, verbittert und voller Schmerz. Ja, warum? Gerade für den Glauben die älteste und heikelste aller Fragen. Erklärungen gibt es ja, aber ob wir die annehmen können und wollen?
Die einen sagen: Damit straft uns der Herr. Oder prüft unsere religiöse Standfestigkeit, wie bei Hiob. Ich kann da nur sagen: für mich scheiden solche Deutungen aus. Warum sollte Gott so willkürlich sein, die einen schwer zu strafen und genug andere heil davonkommen lassen? Wer so etwas glauben will, der soll es - ich aber weise so eine Sicht weit von mir.


 

 

Ein Gott, der Fehler macht, wäre mir auch zu wenig vertrauenswürdig. Wer aber, bliebe da auch die Frage, ist dann der wahre und wirkliche Schöpfer?

Ein ewiges Rätsel und Geheimnis, auch für Christen? Dem möchte ich am ehesten zustimmen und versuchen, mein Unverständnis, meinen Zorn auf all diese Krankheiten, die uns zusetzen, hinten anzustellen und trotz allem Vertrauen zu wagen. Ich weiß, das fällt schwer. Ich weiß, das beantwortet die Warum-Frage nicht. Aber ich will nicht loslassen von der Hoffnung, dass hinter all den Fragen und Klagen eine große und helle Klarheit herrscht, in deren Angesicht sich meine Fragen verziehen wie Nebel im Sonnenschein.
Die Passionszeit, in der wir seit Tagen leben, mutet uns zu, trotz allem, was unser Vertrauen kränkt und schwächt, diesen letzten Halt nicht aufzugeben. Im Psalm 25, steht es in unvergänglichen Worten: „Mein Gott, ich hoffe auf dich; lass mich nicht zuschanden werden…Sieh an meinen Jammer und mein Elend, lass mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich.“ Ich verstehe das auch so: in meinem zerbrechlichen, armen, sterblichen Körper wohnt etwas, das ist aus anderem Holz geschnitzt: meine Seele, die bei ihm bleibt.

Kommen Sie gut durch diese Zeit!

In herzlicher Verbundenheit

Ihre Pastorin Peggy Rotter


Jahreslosung 2021:

Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!

Lukas 6, 36