Grußwort

„Und am Abend desselben Tages sprach er zu ihnen: Lasst uns ans andre Ufer fahren. Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn mit, wie er im Boot war, und es waren noch andere Boote bei ihm. Und es erhob sich ein großer Windwirbel, und die Wellen schlugen in das Boot, sodass das Boot schon voll wurde. Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen? Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig! Verstumme! Und der Wind legte sich und es ward eine große Stille. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben? Und sie fürchteten sich sehr und sprachen unter-einander: Wer ist der, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind!“ (Markus 4,35-41)

Jesus schläft.
Liebe Gemeinde, das ist das Empörende an dieser Erzählung. Jesus schläft, das ist auch das unfassbar Komische an dieser Erzählung. Wie kann der nur? Er kann. Während der Sturm tobt und die Wellen ins Boot schlagen – während die Jünger von Furcht gepackt werden und der Himmel sich verfinstert – schläft Jesus. Dann steht er mal eben auf, von den Jüngern geweckt und bedroht Wind und Wellen. Die gehorchen sofort und schweigen still. – Allerdings fürchten sich die Jünger dann nicht weniger. Erst Wind und Wellen, jetzt jemand, dem Wind und Wellen gehorchen – das ist zu viel für Menschen, die bei allem im Leben meistens auch furchtsam sind.
Dies ist eine der Jesusgeschichten, die man nur innigst lieb haben kann. Weil sie ein großes Ziel hat: sie will uns die Furcht nehmen. Im evangelischen Kirchenlied „Jesu, meine Freude“ (EG 396) wird der Geist dieser Jesuserzählung gedichtet und besungen: „Unter deinen Schirmen, bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei.“

 

Eine andere Zeile lautet: „Tobe, Welt, und springe; ich steh hier und singe in gar sichrer Ruh“. So ältlich die Sprache hier wirkt, so modern ist ihr Inhalt. Menschen suchen Geborgenheit. Menschen möchten, wie Jesus, selbst noch bei Wind und Wetter schlafen können, möglichst in sicherer Ruh. Und wie soll das gehen? Jesus sagt es den Jüngern. Und er sagt es schlicht: Glaube besiegt die Furcht. Das ist freilich so schlicht, dass wir einen Augenblick darüber nachdenken sollten, auch wenn die Schlichtheit ja stimmt. Denn wir sorgen uns ja wegen diesem und jenem. Wir passen ja auf und fahren bei Sturmwarnung mindestens vorsichtig oder gar nicht erst los. Wir sind ja achtsam in der Welt, möglichst achtsam auch auf andere und nicht nur auf uns selbst (gerade und immer noch in diesen Zeiten). Das ist auch gut und richtig.
Es genügt aber nie. Wir bekommen das Leben nie in den Griff, auch wenn wir in vielem vorsorgen. Darum sagt Jesus: Glaube besiegt die Furcht. Es ist ja kein blinder, sondern ein hoffender Glaube. Es ist der Glaube, den Paulus in die schönen Worte fasst (Röm. 8,28): Wer Gott liebt, denen wird alles zum Guten gereichen.
Möge uns dieser Glaube so oft wie möglich gelingen!
 
In diesem Sinne, kommen Sie gut durch diesen Sommer!

„Und bis wir uns wiedersehn, und bis wir uns wiedersehn, möge Gott seine schützende Hand über dir halten.“

Herzlichst
Ihre Pastorin Rotter

 


Jahreslosung 2021:

Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!

Lukas 6, 36