Grußwort

Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser!

 

Josef hat einen langen Weg hinter sich. Für seinen Vater Jakob war er der Lieblingssohn, denn er war der Sohn von Rahel, die Jakob sehr geliebt hatte. Jakob verwöhnte Josef und gab ihm das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Besonders geliebt, besonders gut aussehend, besonders begabt. Josef war sich seiner Rolle wohl bewusst. In seinen Träumen sah er, wie seine elf Brüder ihm dienen und vor ihm niederfallen. Vielleicht hatte er Züge eines Angebers. Den Brüdern war das nicht recht. Wer hat es schon gerne, wenn der jüngere Bruder sich aufspielt? Das darf nicht sein, beschlossen sie, setzten ihn gefangen und verkauften ihn an eine Händlerkarawane, die ihn in Ägypten auf dem Sklavenmarkt feilbot.

Josef musste einen langen Weg gehen. Von seinen Brüdern verkauft. Würde er seinen Vater jemals wiedersehen? Seinen jüngsten Bruder Benjamin jemals wieder in die Arme schließen? Hatte er sich sein Schicksal am Ende selbst eingebrockt – oder hatte er zumindest einen Anteil daran? Vielleicht dämmerte es ihm auf dem langen Weg. Niemand hat es gerne, wenn der jüngere Bruder sich aufspielt. Niemand mag einen Angeber, der sich als etwas Besseres fühlt. Niemand mag einen, der vor Selbstgerechtigkeit nur so strotzt.

Josef musste einen langen Weg gehen. Er musste Umwege in Kauf nehmen, bekam Blasen an den Füßen und an der Seele. So manche Kante wurde abgeschliffen, manche Ecke gerundet.

 

 

Am Ende kommt er an den Hof des Pharao. Er versteht sich auf Träume, die kennt er von sich selbst. Er deutet Pharaos Träume und rettet die Ägypter vor einer Hungersnot. So wird er der mächtigste Mann im Land, direkt unter dem Pharao. Er wirtschaftet klug und erwirbt sich hohes Ansehen.

Josef ist aus seiner Geschichte klug geworden. Er hat aus seinen Fehlern gelernt und sein Verhalten verändert. Mit seinen Verletzungen ist er für andere zum Segen geworden und konnte vielen helfen. Am Ende kommen die Brüder zu ihm, weil sie Getreide bei ihm kaufen wollen. Nach einigem Zögern gibt er sich ihnen zu erkennen, und sie erschrecken furchtbar. Wird er uns richten und auf Rache sinnen, fragen sie sich? Wir hätten es verdient. Aber Josef kann großzügig sein. Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, sagt er und verzeiht ihnen. Eine neue Begegnung der Brüder ist möglich.

Glauben ist Perspektivwechsel. In allen Kurven des Lebens am Ende Gottes Wirken zu erkennen, der alles gnädig fügt, ist ein kostbares Geschenk. Glauben bedeutet, an Gottes Barmherzigkeit teilzuhaben. Mit anderen barmherzig sein zu können, weil Gott barmherzig ist. Anderen vergeben zu können, weil niemand von uns ohne Schuld ist. Wer sein Leben so beschließen kann, stellt es ins Licht der Versöhnung. Wer so stirbt, der stirbt wohl. Alt und lebenssatt wie Josef.

 

Bleiben Sie behütet.

 

Ihre und Eure

 

Peggy Rotter


                  

Jahreslosung 2017:

Gott spricht:

Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Hesekiel 36,26