Grußwort

Retro ist wieder in! Die alten Dinge haben nicht nur Konjunktur, sondern gelten als chic: Polaroid-Kameras mit Fotos, die sich direkt nach dem Drücken des Auslösers selber entwickeln. Möbel aus altem Holz, sogar aus Euro-Paletten, gibt es in Wohnungen junger Menschen. Auch wenn heute viele mit Smartphone vernetzt sind – der rustikale Küchentisch aus der Zeit der Großeltern ist wieder im Kurs. Grundsätzlich gilt wieder: Bevor man etwas wegwirft – lieber schauen, ob man es noch mal verwenden kann. 

So macht es Jesus auch. Er hatte aus seiner jüdischen Tradition etliche Sätze im Kopf, die er an manchen Stellen am liebsten weggeworfen hätte. Das hat er manchmal sogar getan: Das Sabbatgebot hat er gekippt, um deutlich zu machen, dass der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht das Gesetz. Mit den Kranken, die als unrein galten, hatte er Kontakt. Die aus der Gesellschaft Ausgestoßenen hat er zu sich geholt. All das war von den Gesetzen des Mose her nicht unbedingt so vorgesehen.

An einer Stelle aber hebt er zwei Sätze aus dem Alten Testament hervor, weil ihn ein Schriftgelehrter nach dem höchsten Gebot und damit nach dem Sinn der Gebote fragt. Jesus nennt zwei: „Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft“ (5. Mose 6,4-5). Das berühmte „Sch’ma Israel“, ein frühes Bekenntnis des Volkes Israel zu seinem Gott, wird hier von Jesus aufgenommen. 

Denn der Blick von Jesus richtet sich nicht mehr nur auf das Volk Israel, sondern auch auf die Menschen, die nicht dazugehören. Der Gott, den man lieben soll von ganzem Herzen, ist Gott auch der Heiden.

Als Zweites: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (3. Mose 19,18). Jesus ergänzt: „Es ist kein anderes Gebot größer als dieses.“ Das Alte ist das Neue! Die Worte, die das Volk Israel schon lange begleiten, bringt Jesus wieder ins Zentrum. Dabei wird deutlich, was wirklich wichtig ist: Liebe zu Gott und Liebe zum Nächsten

Diese Gebote sind in jeder Zeit aktuell. Besonders dann, wenn Medien, Mitmenschen oder Parteien behaupten, dass es Menschen gibt, die weniger liebenswert sind als andere, weil sie aus einem anderen Land kommen oder als Flüchtlinge in Deutschland Schutz suchen. Oder wenn Menschen durch Alter oder Krankheit vereinsamen und niemanden haben, der sich um sie kümmert. Gerade dann gilt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

 

Mir gefällt der Retro-Trend. Die Idee, dass das Alte manchmal das bessere Neue ist. Besonders natürlich, wenn es um die Liebe zu Gott und zum Nächsten geht. Wobei – Liebe war immer schon mehr als nur ein vorübergehender Trend. Manchmal muss man sie nur neu entdecken. 

 

Viel Freude beim Entdecken wünscht

 

Ihre Pastorin Peggy Rotter

 


                  

Jahreslosung 2019:

Suche Frieden und jage ihm nach!

Psalm 34,15