Grußwort

Liebe Leserinnen und Leser!
Es sind nun schon gut fünf Monate unseres Lebens, welche mehr oder weniger von Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen bestimmt werden. Abstand halten, Mund-Nasen-Schutz, kein Gesang in der Kirche und den Gemeinderäumen, usw. An einige Dinge gewöhnt man sich, andere fehlen sehr! Es sind schwierige Entscheidungen, die der Kirchengemeinderat treffen muss. Die Christenlehre, die Familiennachmittage und die Krabbelgruppe finden im Moment leider auch nicht statt aber dafür laden wir einmal im Monat zum Familiengottesdienst ein. Das Gremium der Ältesten ist sich als Leitung unserer Kirchengemeinde seiner Verantwortung sehr bewusst und ringt um angemessene Entscheidungen. Das Pandemiepapier der Nordkirche gibt uns aber auch bestimmte Handlungshandhabungen vor. Den Erntedankgottesdienst und den Ewigkeitssonntag werden wir unter freiem Himmel feiern. Bitte ziehen Sie sich warm an und bringen Sie sich gegebenenfalls eine kleine Decke mit.
Einige von uns kommen jeden Mittwoch um 19 Uhr vor die Kirche, um gemeinsam zu singen und zu beten. Jede/r ist dazu herzlich eingeladen. Wir treffen uns jeden Mittwoch (um 19 Uhr) vor unserer Kirche für ca. zehn Minuten, denn Gemeinschaft vor Gott zueinander zu erfahren ist gerade in diesen Wochen und Monaten so unendlich wichtig! Über uns hören wir etwas in dieser zweiten Schöpfungsgeschichte der Bibel. Wir hören etwas über unsere Zugehörigkeit zur Welt und zu allem Lebendigen.
Wir hören etwas über den grundsätzlichen Unterschied zwischen Mensch und Gott. Vor allem hören wir etwas darüber, wie wir überhaupt wir selber werden. Doch lesen Sie selbst:
„Es war zu der Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte. Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen.
Denn Gott der Herr hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; aber ein Strom stieg aus der Erde empor und tränkte das ganze Land. Da machte Gott der Herr den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.

Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der Herr ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. […] Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.“ (Aus dem 1. Buch Mose 2, 4b-9., 18. )

Wir bekommen erzählt: Nur in der Begegnung mit einem anderen Menschen finden wir zu uns. Ohne den Anderen kann der Mensch nicht Mensch sein. Und was auf den ersten Blick wie ein Experimentieren aussieht: Wer passt wohl zum Menschen - das macht uns deutlich: Wir finden unser eigenes, eigentliches Sein nicht im bloßen Lebendigsein – dafür würde die Gemeinschaft mit den Tieren, Lebewesen wie wir, ja genügen. Sondern erst die menschliche Gemeinschaft macht den Menschen eigentlich zum Menschen.
Erst, wenn der „Erdling“, wie Luther treffend übersetzt hatte, einem Menschen auf Augenhöhe begegnet, findet er zu sich, wird er Mensch; wenn er einen anderen Menschen als sein Gegenüber hat. Einen Menschen, der ihm hilft. Hilft, Mensch zu sein. Damit ist kein Bedienen oder Befehlen gemeint, auch kein Herabneigen oder Hinaufflehen. Sondern, so steht es da: Eine Hilfe als sein Gegenüber. Das sind wir einander manchmal schon im Einfach-da-sein als der oder die Andere.
Es ist eine grundlegende, existenzielle Hilfe, um die es geht. Ohne sie können wir nicht Mensch werden. Die gegenseitige Hilfe ist grundlegender Bestandteil unseres Menschseins.
Es gehört zu uns, ganz wesentlich, nicht als Mangel, sondern macht uns zum Menschen: Bedürftig sein, um Hilfe bitten, Hilfe bekommen und Hilfe schenken. Auf Augenhöhe, eben als echtes Gegenüber, so hören wir in der Geschichte vom Anfang, sind die Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit gedacht. Mann und Frau, aber doch wohl alle Menschen: Gleichermaßen sind wir füreinander nötig, das macht uns zu Menschen.
Bleiben Sie behütet!

Es grüßt Sie herzlich,

Ihre Pastorin Peggy Rotter.


Jahreslosung 2020:

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Markus 9, 24