Grußwort

Liebe Gemeinde!

Und wenn es Weihnachten nicht gäbe? Das möchte ich mir einmal kurz vorstellen. Was wäre, wenn es Weihnachten nicht gäbe? Wenn keine Engel mehr singen würden und zu Menschen kämen, die sich fürchten? Wenn keine weihnachtlichen Lieder mehr gesungen würden? Was wäre dann?
Das wäre schrecklich für mich. Weihnachten muss einfach sein. Jedes Jahr wieder. Ich kann gar nicht ohne. Der Engel soll wieder rufen: „Fürchtet euch nicht!“ Und dabei gibt es so viel zu fürchten. Die Nachrichten sagen es jeden Tag. Steigende Coronazahlen, Menschen als Bomben, Menschen als Opfer. Menschen auf den Intensivstationen. Da fürchte ich mich…
Deswegen soll der Engel auch dieses Jahr wieder rufen: „Fürchte dich nicht!“ Er soll es erst einmal nur zu mir sagen, ganz persönlich. Mehr soll er nicht tun. Er soll mir nur zeigen, dass ich nicht alleine bin auf der Welt. Dass Gott nahe ist. Auch nahe an jedem Krankenbett. Der Engel soll kommen und mir sagen, dass ich mein Leben wagen darf. Dass jeder und jede, wie immer es auch sein mag, das Leben wagen darf.
Niemand muss sich verkriechen. Niemand muss das Leben einfach nur hinter sich bringen. Es tut gut, dabei zu sein im Leben, mit anderen zu sein, kleine Geschenke zu machen oder zu bekommen. Leben ist mehr als eine Reihe von Tagen. Leben ist auch verzeihen, zuhören, zusammen zu lachen und zu weinen,

 

Schmerz auszuhalten, Ärzten und Ärztinnen und Pflegern oder Schwestern zu vertrauen. Das alles ist Leben. Mein Leben. Ich kann es wagen, das Leben, auch wenn es beschädigt oder aus den Fugen geraten ist. Ich kann mehr, als mich nur fürchten. Ich kann meiner Furcht, die berechtigt ist, Vertrauen entgegensetzen. Davon spricht der Engel in der Heiligen Nacht. Alle Jahre wieder. Ohne Weihnachten wäre alles finster. Ohne Weihnachten wüssten wir nichts von Gott und unserem Vertrauen zu ihm. Und nichts von der Zukunft der Welt. Schrecklich wäre das. Mein Leben ist hoffen, wünschen, mich nach Liebe sehnen. Mein Leben ist auch alles, was mir misslingt. Ich bin schwach, mache Fehler, tue anderen weh. So viele Bruchstücke. Ich kann es nicht besser. Da brauche ich Gott. Er soll es gut machen, heil machen. Ich will ihm vertrauen, dass er das kann. Und ich mir und anderen verzeihen kann.
Weihnachten ist schon der Anfang davon. Darum singe ich gerne Weihnachtslieder, manchmal schon im Sommer. „Christ, der Retter ist da.“, oder: „O du fröhliche“. Mein kleines Leben, meine Angst und die ganze Welt soll Gott in seine Arme nehmen. Jetzt. Heute. Spätestens in der Heiligen Nacht. Das ist schon der Anfang von einem guten Ende.
Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen von Herzen Ihre         

 

Pastorin Peggy Rotter


Jahreslosung 2022:

Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.

(Joh 6,37)