Grußwort

Liebe Gemeinde!
Wir müssen mal über das Küssen reden. „Ah, ja, interessant!“ denken Sie vielleicht, „das tun wir sowieso viel zu wenig.“ Wir erinnern uns: Küssen war mal beliebt. Ja, sogar gesund. Nur etwas in Verruf geraten, nachdem die meisten in den letzten 20 Monaten doch ziemlich auf Abstand gegangen sind. Auf 1,50 m küsst es sich schlecht. Dabei hieß es mal: Wer viel küsst, muss weniger zum Arzt. Es ist die beste Medizin. Küssen stärkt die Immunabwehr. Ich behaupte sogar: Küssen macht wahrscheinlich auch schön und schlank, denn es verbraucht Kalorien. Im Dauerküssen liegt der Rekord bei 58 Stunden – im Stehen.

Wer küsst, ist weniger aggressiv. Menschen, die zur Arbeit gehen und beim Abschied geküsst werden, sind entspannter, bauen weniger Unfälle und sind erfolgreicher im Beruf. Also (darf man das schon wieder?): Küsst einander! Und eure Kinder! Gebt euch Schmatzer, Bussis, Knutscher! Jugendliche, ihr übt schon mal! Muss ich aber wohl nicht extra erwähnen. Liebende, küsst euch! Geschwister auch! Gebt euch Wangenküsse wie Südeuropäer und die Bischöfe! Ehrerbietig oder liebevoll, leidenschaftlich oder freundschaftlich. Meinetwegen gebt euch Luftküsse, die sind jetzt ja gut eingeübt.

Ich hör schon: Küssen ist gefährlich! Klar, war es immer schon, es gibt auch falsche Küsse: Unterwerfung liegt darin, Missbrauch oder Verrat. Wer jemanden küsst, ist mit ihr oder ihm nicht gleichauf. Ein Kuss überwindet Ungleichheit. Manchmal muss sie gewahrt bleiben. Andererseits: Ungleiche finden zusammen, hier ein Ich, da ein Du.

 

Ein Kuss kann jedoch die Brücke sein: Zwischen Alt und Jung, Frau und Mann, Gebenden und Nehmenden, eine Brücke zwischen Erfahrung und Neugier.

Und zwischen Güte und Treue, Gerechtigkeit und Friede. Auch diese vier sind sich nicht immer einig. Wo Güte ist, fehlt oft Gerechtigkeit. Wo Gerechtigkeit ist, ist noch kein Friede. Wo Friede einmal eingekehrt ist, fehlt womöglich die Treue. Wer aber viel geküsst hat, wenn nicht heute, dann eben früher, ist schon über viele Brücken gegangen. Da wundert man sich nicht mehr über die göttliche Brücke, auf der Güte und Treue einander begegnen, und Gerechtigkeit und Friede zusammenfinden, wenn sie sich küssen. So wollen wir es auch tun. Deshalb: Liebende, küsst euch!

Gottes Segen begleite Sie und Euch dabei,
in herzlicher Verbundenheit.

Ihre Pastorin Peggy Rotter


Jahreslosung 2021:

Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!

Lukas 6, 36