Die Kriegsmüdigkeit nahm zu. Überall die Frage: "Herr Pastur, is de Krieg noch nich bald vörbi?" Findet sich bei vielen keinerlei Verständnis für Deutschlands Ehre und Freiheit, kein Verständnis dafür, dass es um unser Ein und Alles geht, so ist freilich auf der anderen Seite auch eine gerechte Betrachtung der Verhältnisse zu beobachten. Im ganzen muss man jedoch sagen, dass die eigenen wirtschaftlichen wie familiären Interessen über das große Ganze gestellt werden.

Dazu kam die geringere Kornernte, die strenge Maßnahmen nötig machte. Auch die gute Kartoffelernte konnte die durch jene geschaffene Notlage nicht ganz wettmachen. [62] Die Feldgrauen, die auf Urlaub kamen, wussten auch von der Front allerlei Missstände zu berichten, so dass die Stimmung dadurch nicht gehoben wurde. Die viele Arbeit in der Landwirtschaft, die infolge neuer Einberufungen zum Militär sich mehrte für die Heimatbevölkerung, lag auf mancher Familie drückend.

Trotzdem muss eine rege Beteiligung an den Kriegsanleihen anerkannt werden. Auch manche kleineren Leute zeichneten. Die dazu veranstalteten patriotischen Abende im Ziegenkrug taten dazu das ihrige.

Das kirchliche Leben in der Gemeinde war nicht so rege wie früher. Der Kirchenbesuch nahm ab, er betrug nur 11,7 %, während er 1914 noch 15,4 % betrug. Natürlich ist dabei zu bedenken, dass immer mehr Gemeindeglieder im Felde waren. Der Abendmahlsprozentsatz war noch 92,5 %. Besonders erwähnenswert ist noch, dass im ganzen Jahr keine Trauung stattfand. Geboren und getauft wurden 11 Kinder. Auf das Jubiläumsjahr der Reformation wurde vom Pastor in Predigt und Seelsorge öfter [63] eingegangen. Am 31. Oktober wurde ein Festgottesdienst gehalten, der aber nicht sehr stark besucht war. Jedenfalls wäre unter den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen besser gewesen, das Reformationsfest wie sonst an einem Sonntag zu feiern.

Kurz vor dem 31. Oktober wurde im Ziegenkrug ein Gemeindeabend gehalten, auf welchem der Pastor einen Vortrag hielt über "Luther, der größte Deutsche". Leider war der Abend schlecht besucht, ohne dass besondere Gründe dafür vorhanden waren. Der Chronist gewann aufs neue die Überzeugung, dass die sonst im ganzen doch christlich und kirchlich nicht uninteressierte Gemeinde gegen alle Neuerungen auf kirchlichem Gebiet ist.

Auch die Gebefreudigkeit nahm im allgemeinen ab. Am 4. S. n. Epiph. (Kaisers Geburtstag) wurde für Kriegsnotstände kollektiert, Nur 16 Mark ergab die Sammlung. Die Kollekte vom Reformationsfest für den Wiederaufbau der durch den Krieg zerstörten Kirchen im Schutzgebiet ( ) brachte 43,60 Mark ein, während diejenige für die Hinterbliebenen der im Krieg gefallenen nur 8 M. ergab. - freilich war das schlechte Wetter daran schuld, das so schlecht war, dass nur etwa 20 Personen den Gottesdienst an diesem Sonntag besuchten. [64] ( ) Betrübnis erregte, dass am Heiligen Abend keine Vesper gehalten werden konnte wegen des Lichtermangels. Überhaupt hat der enorme Mangel an Petroleum und Licht große Missstimmung hervorgerufen. So geht das Jahr 1917 nach allen Seiten hin dunkel unter.

 

Jahreslosung 2017:

Gott spricht:

Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Hesekiel 36,26