1920

[72] Das wichtigste politische Ereignis des Monates März, der Sturz der Regierung in Berlin mit dem darauf folgenden Sturz der Regierung in Schwerin beschäftigte die Gemüter sehr, und löste, - da doch in vielen Kreisen große Missstimmung gegen die rote Mehrheit herrschte, - zunächst eine gewisse Freude aus. Freilich, da der Generalstreik von den linken Parteien proklamiert und strenge durchgeführt wurde, so trat allmählich die Meinung in den Vordergrund, dass der Putsch besser unterblieben wäre. dass die alte rote Regierung wieder eingesetzt wurde, erregte vielfach Betrübnis; indessen freute man sich allgemein, dass doch das erreicht sei, dass Neuwahlen für Reichs- und Landtag ausgeschrieben wurden. Aufregende Wahlversammlungen gab es nicht. Die Mittelpartei der Deutschen Volkspartei und die Deutschnationale Volkspartei gewannen an Stimmen, die [73] Demokratische Partei verlor sehr. "Rote" Stimmen wurden freilich reichlich abgegeben, anscheinend auch von solchen, die sich zur Kirche und Abendmahl halten. Einig aber - wohl mit ganz geringen Ausnahmen - war man sich überall darin, dass Aufhebung der verhassten Zwangswirtschaft notwendig sei.

Ende Februar tagte der Kirchgemeinderat, um über die neuen Entwürfe des Oberkirchenrates zu den kirchlichen Wahlen zu beraten, mit denen man durchweg einverstanden war. Besonders darin, dass für die Landessynode keine Vorwahlen vorgesehen waren. Leider waren nur wenige Mitglieder des Kirchgemeinderates zu dieser Sitzung erschienen. Das Interesse daran ist eben überall nur gering. Oft kriegt der Chronist zu hören: "Wat sall dat blot all! Maken Sei dat doch, Herr Pastur, so as Sei dat inseihen."

Ende des Jahres wurde die Wahl eines neuen Kirchgemeinderates vorgenommen. Es war nur eine Liste eingegangen, so dass also eine eigentliche Wahlhandlung nicht vorgenommen zu werden brauchte.

[74] Die neuen Kirchenältesten wurden am 1. Weihnachtstage nach Vorschrift eingeführt. Ihre Namen sind:

1) Johann Klöcking, Erbpächter in Bargeshagen
2) Karl Bobsin, Maurer daselbst
3) Wilhelm Jürß, Landmann in Vorweden
4) Paul Bobsin, Landmann in Lambrechtshagen
5) Adolf Au, Lehrer in Sievershagen
6) Karl Grimnitz, Häusler in Sievershagen

Stellvertreter sind:
Joachim Papenhagen, Häusler in Bargeshagen
Christian Harder, Schmiedemeister daselbst
Hans Boosmann, Erbpächter in Lambrechtshagen
Joachim Kröger, Häusler in Sievershagen
Johann Klöcking, Schulze daselbst.

Jahreslosung 2017:

Gott spricht:

Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Hesekiel 36,26