1921

[74] Im März wurde die gesetzgebende Landessynode von den Kirchgemeinderats-Mitgliedern gewählt. Der hiesige Kirchgemeinderat war fast vollständig [75] zu einer Versammlung in Rostock im Februar erschienen, wo man über Aufstellung von Listen für den Kreis Doberan beriet. Einige Tage danach fand im Pfarrhause hieselbst eine Sitzung der Kirchenältesten statt, wo über den selben Gegenstand beraten wurde. Im Frühling tagte in Schwerin die verfassunggebende Landessynode. Dieselbe schuf die Verfassung der Meckl. Kirche sowie die Wahlordnung für die Wahl der Kirchenältesten und der Mitglieder der Landessynode. Mit dem 29. September d. J. treten die Gesetze in Kraft. Am 6. November d. J. fand eine Kirchgemeinderatssitzung statt.

1922

[75] Innerhalb der Gemeinde fanden auch in diesem Jahre, ebenso wie 1921, keine Veränderungen statt. Grund und Boden wurde nicht veräußert. Jeder behält bei der schweren finanziellen Lage das in Besitz, was er hat. Zwischen dem Pastor Tarnow und seinem Pächter Hofbesitzer Bobsin fand hinsichtlich der Pacht eine Vereinbarung statt: der Pächter zahlt ab 1. Oktober an Pacht: 91 Zentner [76] und 35 Pfund Korn fürs Jahr, und zwar 1) am 1. Oktober in natura 21 Zentner 35 Pfund Roggen, 3 Zentner Gerste und 2 Zentner Weizen, 2) am 2. Januar bezahlt er für 20 Zentner Roggen 3) am 1. April bezahlt er für 20 Zentner Roggen u. liefert 3 Zentner Gerste u. 2 Zentner Weizen in natura 4) am 1. Juli bezahlt er für 20 Zentner Roggen. Ansonsten liefert er Anfang Oktober 30 Zentner Eß-Kartoffeln. Alle Lieferungen gelten im Voraus. Kirchgemeinderatssitzungen fanden am 6. Februar, 25, Juni, 20. August und 22. Oktober (statt). Aus ihnen verdient hervorgehoben zu werden, dass alle Mitglieder einstimmig für Abschaffung des Prädikates Jungfrau bei Aufgebot und Eheschluß stimmen.

1923

[76] Kirchenbesuch und Abendmahlsbesuch halten sich auf der (?) Höhe. Der Pastor Tarnow erkrankte am 5. Juli an schwerem Typhus u. lag vom 20. Juli bis zum 16. Oktober [77] im Rostocker Universitätskrankenhause. Infolge dessen musste alle 14 Tage Lesegottesdienst stattfinden. Die umwohnenden Amtsbrüder (P. Kirchenrat Willbrandt - Parkentin, Schoop - Retschow, Metmacher - Rethwisch, Lehnhardt - Lichtenhagen, Dittman - Warnemünde) und Bekannte und Verwandte des Pastors loci (Zender - Meinshagen, Holz - Lüssow, Predigtamtskandidat Holz, Propst Tarnow - Lohmen, Propst Krüger - Viecheln) übten die Predigttätigkeit aus. Auch der Herr Ephorus aus Doberan, Superintendent Kliefoth predigte hier am Herbst-Bettag und am 3. Advent. Die cura hatte P. Lehnhardt - Lichtenhagen. Konfirmandenstunden erteilte der Pastor Tarnow wieder von Anfang November an, übernahm auch zuweilen wieder eine Amtshandlung. Die erste Predigt hielt er aber im Jahre 1923 nicht mehr.

Der Hof Rabenhorst wurde neu verpachtet. Bei der Gelegenheit wurde Land abgenommen, und verschiedene Büdner und Häusler in Bargeshagen, zusammen im ganzen [78] bekamen je 1000 Quadratruten. Der Hofbesitzer Wilhelm Bobsin - Bargeshagen verbesserte dabei wesentlich seine Hufe, indem er von seinem Acker den entlegenen Teil, der auch zugleich der schlechtere Boden war, verkaufte mit gutem an der Chaussee u. Rabenhorster Weg gelegenem Acker, - eine Sache, die nicht überall Beifall fand, weil es der Gerechtigkeit nicht entsprach. Die sogenannten "Kleinen Leute" mussten nun mit dem schlechteren und entlegenerem Boden sich begnügen. Aber seit der Revolution ist manches möglich! Zumal, wenn man den Papst zum Vetter hat! Der Hofbesitzer Wilhelm Bobsin war ein Freund von dem Landwirtschaftsminister Stier, und daher glückte die Sache.

1924

[78] Das schlechte Befinden des Pastors hielt noch an, so dass weiter alle 14 Tage vertreten werden musste. Die Brüder Otto (Steffenshagen), Wilbrandt (Parkentin), Helms (Warnemünde), [79] Holtz (Lüssow), Zander (Reinshagen), Korff (Rostock) vertraten den erkrankten Pastor loci. ( ) Am Sonntag Oculi amtierte der Pastor loci zum ersten Mal in Schwachheit des Leibes und Geistes, musste sich aber auch nachher noch öfter mal vertreten lassen, oder musste gelesen werden. Trotzdem blieben Kirchenbesuch und Abendmahlsbesuch fast auf derselben Höhe. Am 25. August verstarb an Krebs der Hofbesitzer und Kirchenjurat Johann Klöcking - Bargeshagen, eine prächtige christliche Persönlichkeit.

Eintrag in 1925 [80] Nachtrag zu 1924. Der langjährige Küster Bull hieselbst wurde zum 1. April pensioniert. Die Stelle wurde im Mai wieder besetzt mit dem II. Lehrer aus Lichtenhagen, Ulrich Kreuzfeld. Derselbe wurde Kantate in sein Amt eingeführt. Die Kirchgemeinde hat den Weggang des Küsters Bull sehr bedauert. Er hatte eine starke und umfangreiche Stimme, so dass er der geeignete Leiter des Kirchengesanges war. Während der neue Küster Kreuzfeld über eine weit schwächere Stimme verfügte, was Gemeindeglieder oft tadelten. Aber es muss anerkannt werden, dass Kreuzfeld sich mit Eifer seiner Aufgabe widmete und sich auch das Vertrauen der Gemeinde erwarb.

1925

[79] Durchschnittlich 70 Gottesdienstbesucher, - was eine kleine Erhöhung darstellt. Dieselbe Erscheinung wurde wahrgenommen bei den Abendmahlsbesuchen, die 80 % erreichten. Auch die Kollekten hatten ein befriedigendes Ergebnis, besonders diejenigen für Heiden-Mission und Innere Mission. Darüber hinaus betrug die Kollekte am Erntedankfest für die Marienschule 58,70 Mark. Im Januar erfuhr die Verpachtung des Pfarrreservates eine Verbesserung. Dem Pächter Bobsin [80] wurde auferlegt, in jedem Jahr noch ein fettes Schwein von 280 Pfund lebend Gewicht zu liefern. Im Januar wurde eine Hauskollekte für die Innere Mission veranstaltet, die den erfreulichen Betrag von 247,90 Mark ergab. Unkosten-Abzug 14,35 M, so daß 233,55 RM abgeschickt werden konnten.

1926

[81] Die Hauskollekte für das Stift Bethlehem im März ergab den Betrag von 100,50 RM, eine Summe, die hinter früheren Sammlungen zurückblieb. Aber die Leute leiden zum großen Teil sehr unter dem großen Steuerdruck und können nicht mehr geben. Im Herbst fand auf Wunsch der Gemeinde und auf Beschluss des Kirchgemeinderates eine Haussammlung für ein Harmonium statt, da die Kirche immer noch kein Instrument besaß. Das Harmonium ist von der Firma Lindholm in Borna (Leipzig) bezogen und kostete 1290 RM. Das Geld wurde aber noch nicht völlig aufgebracht. Das Instrument wird daher erst Anfang 1927 geliefert werden. Mit Ende des Jahres schied der alte vor 6 Jahren gebildete Kirchgemeinderat aus dem Amt. Da nur eine Liste vorhanden war, kam [82] es zu keiner eigentlichen Wahl. In Lambrechtshagen blieben dieselben Vertreter: Landwird Paul Bobsin u. Hofpächter Jürß (Vorweden) im Kirchgemeinderat, ebenso in Sievershagen: Lehrer Au u. Häusler Grimnitz. Während aus Bargeshagen neu eintreten Landwirt Heinrich Klöcking u. Büdner Johann Radloff. Die konservativ gerichtete Kirchgemeinde hält es an und für sich für überflüssig, dass Kirchgemeinderäte da sind, so dass es sehr schwer war, die Mitgliederzahl zu kriegen. Abendmahlsfrequenz betrug 79 %, durchschnittliche Zahl der Gottesdienstbesucher 67 Erwachsene, d.i. bei 600 Erwachsenen 11,2 %.

Jahreslosung 2017:

Gott spricht:

Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Hesekiel 36,26